Was ist Homöosiniatrie?

Die Bezeichnung „Homöosiniatrie“ setzt sich aus 3 verschiedenen Begriffen zusammen:

 


- „Homöo" von Homöopathie, weil homöpathische Einzel-und Komplexmittel eingesetzt werden

- „Sin" von Sinologie (Chinakunde), weil das Behandlungskonzept der Akupunktur genutzt wird, das aus der Traditonellen Chinesischen Medizin stammt,

- und „Iatros", dem griechischen Begriff für Arzt.


Kurz gesagt werden bei der Homöosiniatrie homöopathische Mittel in genau definierte Akupunkturpunkte injiziert: man spricht deshalb auch von einer Injektionsakupunktur.

Akupunktur und Homöopathie verstärken sich gegenseitig

Wesentliche Grundlage der Therapie sind die Forschungen des deutschen Homöopathen und  Arztes August Weihe (1840-1896). Er beschrieb 1886,  dass nach der Einnahme bestimmter homöopathischer Mittel manche Hautareale empfindlich auf Druck reagieren würden. Diese Hautareale bezeichnet man als Weihesche Druckpunkte: wenn man nun das homöopathische Mittel verabreicht, das die Druckempfindlichkeit ausgelöst hat, kann man gute Behandlungserfolge auch an weiter entfernt liegenden Organen erzielen. Die Erklärung dafür ist, dass das empfindliche Hautareal über die  Rückenmarksnerven mit  bestimmten Organen verbunden ist. Die Feststellung, welche Hautabschnitte empfindlich reagieren, ist  sowohl zur Diagnose als auch zur Therapie nutzbar. August Weihe kannte die Akupunktur als Therapiemethode nicht.


Der französische Arzt Roger de la Fuye (1890-1961) entwickelte das Konzept der Weiheschen Druckpunkte weiter. Er erkannte, dass hinter den empfindlichen Druckpunkten nach Weihe und den ausgewählten Akupunkturpunkten, die bei vielen Patienten ebenfalls druckempfindlich sind, ein ähnlicher Wirkmechanismus steckt. So hat die westliche Medizin unabhängig von der Traditionellen Chinesischen Medizin die Fernwirkung auf innere Organe durch äußerliche Einwirkung auf bestimmte Hautpunkte entdeckt. De la Fuye setzte an den geeigneten Punkten Akupunkturnadeln und verabreichte zusätzlich noch das entsprechende Homöopathikum  zum Einnehmen. So erzielte er erstaunliche Behandlungserfolge, denn die beiden Heilmethoden ergänzen und verstärken sich gegenseitig.  In der modernen Homöosiniatrie werden die Wirkstoffe mit feinen Injektionsnadeln direkt in die Akupunkturpunkte injiziert, aber auch in entsprechende Organreflexzonen  Narbenstörfelder und Triggerpunkte. Triggerpunkte sind örtlich begrenzte Verhärtungen der Skelettmuskulatur, die als Knoten oder Strang fühlbar sind und viele Beschwerden auslösen, oft auch übertragene Schmerzen an weiter entfernt liegenden inneren Organen.

Durch die Homöosiniatrie wird eine dreifache Wirkung erzielt: erstens wirkt das homöopathische Medikament, zweitens wird durch den Einstich eine Fernwirkung erzielt und drittens wird am Akupunkturpunkt ein „Wirkstoffdepot“ aufgebaut, das die Wirkung der Akupunktur verlängert.

 

Das sind die Hauptanwendungsgebiete der Homöosiniatrie:

•    Gelenkerkrankungen (z. B. Rheuma)
•    Rückenschmerzen, „Hexenschuss"
•    Arthrose und Bewegungsschmerzen in Hüfte und Knien
•    Kopfschmerzen
•    Reizmagen und Reizdarm
•    Menstruationsbeschwerden
•    Herzschwäche
•    Angina pectoris
•    Verdauungsbeschwerden, v. a. Störungen von Leber und Galle
•    Entzündungen und Infektionskrankheiten
•    Erschöpfungszustände
•    depressive Verstimmungen
•    Allergien

Trotz der großen Einsatzmöglichkeiten für die Homöosiniatrie gibt es Gegenanzeigen:
-nicht bei Kindern unter 12 Jahren
-nicht bei Epileptikern
-nicht bei Hauterkrankungen an den Einstichstellen, z. B. Ekzem
-nicht bei stark geschwächten Patienten
-nicht bei Sensibilitätsstörungen  der Haut
-nicht bei schweren psychischen Erkrankungen, z. B. Psychosen

 

HINWEIS: Die hier genannten allgemeinen Ratschläge bieten keine Grundlage zur medizinischen Selbstdiagnose oder –behandlung. Sie können keinen Arztbesuch ersetzen.